Zum Hauptinhalt springen

Medizinische Standards

Der pathologische Befund ist ein komplexes Gutachten. Er muss einerseits die unmittelbare Fragestellung beantworten und andererseits alle für den PatientInnen und behandelnde ÄrztInnen relevante Erkenntnisse aus dem Präparat in der umfassenden Beurteilung enthalten.

Histologie, Zytologie

Proben

  • Alle melanozytären Läsionen und dermatologischen Probeexzisionen werden in der Regel zumindest auf 2 Blöcke aufgeteilt (Risikoverminderung, besseres Schnittergebnis).
  • Bei größeren Präparaten gilt, dass pro cm mindestens 1 Probe gezogen wird und zwar zusätzlich zu den unmittelbar auffälligen Stellen.
  • Großpräparate werden nach festgelegten standardisierten Mustern zerlegt und daraus die Proben gezogen.
  • Neben dem pathologischen Material muss immer auch unbeteiligtes (normales) Gewebe zum Vergleich mit untersucht werden.
  • Alle Restmaterialien werden solange aufbewahrt, bis die endgültige Diagnose feststeht.
  • Alle Präparate müssen vor ihrer Verarbeitung zumindest 12-24 Stunden gut durchfixiert werden. Daraus ergeben sich zwangsweise Wartezeiten.
  • Endoskopische Probeexcisionen werden in der Regel am Tag der Entnahme weiterverarbeitet.
  • Zur Fixierung verwenden wir von uns vorbereitetes 4% gepuffertes Formalin; es wird den Einsendern unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
  • Zytologische Ausstriche müssen dünn und ausreichend elementreich sein. Unzureichende Präparate werden entsprechend bezeichnet. Sie müssen wiederholt werden.
  • Alle zytologischen Präparate werden in Bezug auf ihre technische Qualität und Ergiebigkeit laborintern standardisiert klassifiziert. Periodisch werden die Einsender über die Qualität ihrer Einsendungen informiert.

Schnitte und Färbungen

  • Alle Proben aus dem Magen- und Duodenalbereich werden routinemäßig sowohl mit HE als auch Giemsa gefärbt.
  • Das erlaubt eine schnelle und effiziente Beurteilung der bakteriellen und nicht-bakteriellen Entzündungs- und Krankheitsursachen.
  • Cardia/Ösophagus-Proben werden routinemäßig mit Alcian-PAS gefärbt, damit riskante Gewebsumbauten (Barrett-Metaplasie) und Verpilzungen eindeutig erkannt werden können.
  • Alle entzündlichen dermatologischen Biopsien werden standardmäßig in Kleinserien aufgearbeitet und zusätzlich mit Alcian-PAS (Pilze, Insudationen etc.) und Giemsa (Entzündungszellen/Bakterien/Lymphome) gefärbt.
  • Von endoskopischen Probeexzisionen werden pro Objektträger 6 (manchmal 8 Proben und mehr) aus verschiedenen Schichten aufgelegt.

Befundung

  • Einzeln entnommene und in Einzelgefäßen eingesendete Proben werden einzeln befundet.
  • Für jede funktionell umschriebene Körperregion wird eine abgeschlossene Befundung erstellt.
  • Auch unterschiedliche Proben, die aus Bequemlichkeitsgründen in einem gemeinsamen Gefäß eingesendet werden, werden einzeln pro funktionelle Region und für sich abgeschlossen befundet.
  • Sofern eine Zusammenschau angebracht ist, wird sie in Form eines Kommentars beigefügt.
  • Befunde werden nur dann fertiggestellt, wenn ausreichende klinische Angaben von den einsendenden ÄrztInnen mitgeteilt werden.
  • Ausreichende klinische Angaben können auch stillschweigend vorliegen (bei vielen zytologischen Genitaluntersuchungen).
  • Zu jeder bakteriologischen Probe ist die Beifügung eines Original-Gramabstrichs obligat. Einsendungen ohne Original-Gramabstrich werden im Befund als "eingeschränkt repräsentativ" klassifiziert, weil die Bedeutung des Kulturergebnisses und die Konsequenzen daraus nicht zweifelsfrei bestimmt werden können.
  • Kulturen aus Sputum und Nasen-Rachenraum werden aus fachlichen Gründen ausnahmslos auf aerobe, anaerobe Bakterien und getrennt auf Neisserien untersucht (N. meningitidis).
  • Genitalabstriche werden immer auf aerobe, anaerobe Bakterien und getrennt auf Neisserien, Mykoplasmen/Ureaplasmen, Trichomonaden, Pilze und Chlamydien untersucht und immer mit einem mikroskopischen Präparat kombiniert.
  • Stuhlkulturen werden immer auf die allgemeinen pathogenen Enterobakterien und spezifisch auf Salmonellen/Shigellen, Campylobacter und Yersinien untersucht.
  • Gelenkpunktionen werden immer nativ kristalloptisch untersucht.

Serienuntersuchungen

Stuhlkulturen, bakteriologische und zytologische Sputumuntersuchungen und Harnuntersuchungen auf Mikrohämaturie werden bei uns immer in einer Serie von 3 Untersuchungen durchgeführt. Die Gründe dafür sind:

  • Proben, bei denen ein positives Ergebnis selten und nicht verlässlich zu erwarten ist, brauchen eine Wiederholung zur Erhöhung der Trefferwahrscheinlichkeit.
  • Negative Befunde sind nur dann glaubhaft und therapeutisch verwertbar, wenn sie in Wiederholungen negativ bleiben.
  • Proben, bei denen die Mitarbeit des Patienten erforderlich ist, müssen wiederholt werden, denn die Patienten müssen die Mitarbeit erst lernen (Sputum).
  • Proben, bei denen bei einem positiven Ergebnis nicht zwischen Einzelfall/Zufall und Erkrankung unterschieden werden kann, müssen wiederholt werden.

Harnuntersuchungen auf Mikrohämaturie: Die Harnproben werden in unserem Institut abgegeben und als Diuresezytologie in einer Serie von 3 Sitzungen durchgeführt. Die Gründe dafür sind:

  • Der Vergleich zwischen dem in der Harnblase retinierten Harn und dem Harn nach mehrfacher Entleerung und Wasserstoß ermöglicht diagnostisch und therapeutisch relevante Unterscheidungen, die bei der simplen Harnuntersuchung am fixierten Harn und der einfachen Harnprobe nicht möglich sind.

Transport

Der Transport der Präparate und die dafür verwendeten Materialien nehmen Bedacht darauf, dass das Gut gegen Schädigung, Verunreinigung und Kontamination einerseits geschützt ist und andererseits bei bestimmten Proben auch eine potentielle Gefährlichkeit nicht auszuschließen ist.